Im Gespräch mit einem Marathonläufer – David Hammer

marathon

Als ersten Gast in meiner „talk with“ Serie darf ich euch David Hammer vorstellen. Er ist mit 17 Jahren bereits Vorarlberger Meister im Marathonlauf und österreichischr Vizestaatsmeister. Derzeit geht er noch zur Schule. Doch nicht etwa in eine Sportschule wie man vielleicht erwarten würde. Er besucht die HTL Bregenz mit Schwerpunkt Maschinenbau. Wie man sich denken kann, ist es da natürlich nicht immer einfach das mit seinem Leben als Sportler in Einklang zu bringen. Genaueres dazu aber im Interview.

Wann hast du angefangen zu laufen und wie bist du dazu gekommen?

Mit ca. 10 Jahren habe ich begonnen zu laufen, allerdings habe ich damals nur bei einem Kinderlauf in Bludenz teilgenommen. Damals einfach aus Spaß und ohne darauf trainiert zu haben.
In der Hauptschule nahm ich dann immer mehr an Volksläufen teil, aber immer noch ohne so richtig zu trainieren. Da ich nebenbei Fußball gespielt habe, fehlte mir auch einfach die Zeit für zusätzliches Lauftraining.

Vor ungefähr einem Jahr habe ich mir dann Ziele gesetzt und richtig angefangen zu trainieren.
Als ich dann auf einer Laufwoche mit Kenianern war, hat mir einer der Kenianer gesagt, dass ich gute Chancen hätte starke Zeiten zu laufen, wenn ich mehr trainieren würde. Das hat mich natürlich sehr motiviert und ich habe begonnen nach Plan zu trainieren.

Laufen ist ja mehr als nur ein Hobby von dir. Was motiviert dich auf professioneller Ebene zu laufen?

Um bei internationalen Meetings mitlaufen zu können, muss ich gute Zeiten rennen. Das motiviert mich meine Leistungen kontinuierlich zu verbessern und täglich daran zu arbeiten.
Zudem motivieren mich meine kenianischen Freunde. Irgendwann möchte ich mit ihnen mithalten können und auch so schnelle Läufe absolvieren können

Es ist bestimmt nicht immer einfach Training und Schule zu vereinbaren. Wie schaffst du es, das alles in deinem Alltag zu meistern und was halten deine Freunde davon?

Also die Schule leidet natürlich darunter und ich bin auch nicht gerade der beste Schüler – es reicht um durchzukommen.

Da ich oft bis 17 Uhr Schule habe und dann erst um halb sieben nach Hause komme, muss ich manchmal auch etwas früher nach Hause gehen. Das ist zugegeben nicht legal, aber nötig um noch trainieren zu können ohne müde zu sein. All das unter einen Hut zu bekommen ist nicht immer so einfach.

Meine Klassenkameraden können mich auch nicht wirklich verstehen und sagen, dass ich nicht ganz klar im Kopf bin, um ehrlich zu sein und ich kann sie auch verstehen. Die meisten machen keinen Sport, geschweige dann im professionellen Sektor. Die Zeit nach der Schule nutzen sie zum Computerspielen bis in spät in die Nacht.

Ich denke, dass ich in einer Sportschule kein Aufsehen erregen würde, denn dort trainieren die meisten nach der Schule noch professionell und könnten mich dadurch auch verstehen.

Wie sieht denn dein täglicher Trainingsplan aus?

Wenn ich später Schule habe, gehe ich am Morgen meistens ca. 30 Minuten gemütlich laufen. Das richtige und wichtigere Training steht dann nach der Schule an.

Entweder in Form eines Intervalltrainings auf der Bahn, Berganläufe oder auch ein Longrun von ca 15- 25 km.
Am späteren Abend dehne ich mich meistens noch ein bisschen ca. 30 Minuten. Außerdem mache ich zweimal die Woche Kraftübungen.

Ändert sich dieser, wenn du auf ein bestimmtes Event trainierst?

Ja, vor allem das Intervalltraining ändert sich ein wenig.

Für 10000m mache ich zum Beispiel eher längere Intervalle (800m bis 2000m),
für kürzere Distanzen mache ich eher kürzere Intervalle (200m bis 1000m).
Ansonsten bleibt das Training grundsätzlich gleich und ändert sich nicht wirklich.

Machst du auch noch anderen Sport?

Früher habe ich Fußball gespielt und bin geklettert.
Da ich mich komplett aufs Laufen konzentriere, bleibt kaum mehr Zeit für anderes. Als unterstützendes Training mache ich, wie schon erwähnt, Krafttraining.

Ich muss aber zugeben, dass es nicht schlecht wäre, wenn ich zusätzlich ein bisschen Radfahren oder schwimmen würde, um die Muskel bzw. die Gelenke zu entspannen.

Ernährung und Sport gehören ja eng zusammen. Inwiefern spielt Ernährung eine Rolle beim Laufen?

Ich denke, dass Ernährung für Läufer sehr wichtig ist.
Persönlich versuche ich mich möglichst wie Kenianer zu ernähren. Das bedeutet sehr viel Kohlenhydrate, ein bisschen Eiweiß und wenig Fett.

Ein gutes Beispiel wäre Kraut- bzw. Linseneintopf mit Kartoffeln. Dazu gibt es aber auch „Ugali“ – eine Art Polenta.
Wie man sehen kann, ernähre ich mich unabsichtlich fast immer vegan. Ein- oder zweimal die Woche gibt es auch Fleisch, denn ich esse hin und wieder auch gerne mal Hühnerfleisch.

Lange Strecken zu laufen ist vor allem eine mentale Herausforderung. Wenn man einen Blick in deinen Kopf werfen könnte, was würde man da so sehen? Hörst du Musik, denkst du über Dinge nach oder genießt du einfach nur den Moment?

Vor allem bei Longruns ist es oft sehr hart durchzuhalten und es fällt mir schwerer mich immer wieder aufs Neue zu motivieren.

Dabei hilft es mir, mein nächstes Ziel vor Augen zu haben und daran zu denken, was ich auf lange Sicht in den nächsten Jahren erreichen möchte.
Ansonsten versuche ich mich einfach nur aufs Laufen zu konzentrieren.

Die richtige Ausrüstung ist gerade auch beim Laufen wichtig, um die Gelenke zu schonen und vor allem bei langen Läufen muss man sich gut überlegen, was man mitunter beim Laufen benötigt. Auf was kommt es bei der Ausrüstung an? Auf was würdest du nicht verzichten wollen?

Also ich finde, dass es nicht so wichtig ist was, man anzieht, solange es bequem und leicht zu tragen ist.
Meiner Meinung nach machen viele den Fehler, beim Kauf von Schuhen möglichst viel Dämpfung zu wählen.
Das ist natürlich angenehmer, gerade wenn man die ganze Zeit auf Asphalt läuft.

Man sollte jedoch bedenken, dass es die Fußmuskeln schwächt und darum ist zu viel Dämpfung meiner Meinung nach, nicht so empfehlenswert.
Außerdem bekommt man einen „verklemmten“ Laufstil, wenn man vorrangig auf Asphalt läuft. Deshalb würde ich empfehlen, mehr auf Wald bzw Schotterweg zu laufen.
Es ist auch gut, ab und an mal auf einem Fußballplatz barfuß zu laufen.

Damit stärkt man die Fußmuskeln und bekommt einen flüssigeren Laufstil.
Wenn man auf weicherem Boden läuft kann man auch weniger Dämpfung wählen.

Abschließend noch die Frage, was du für Ziele in naher und ferner Zukunft hast?

In naher Zukunft möchte ich möglichst gute Ergebnisse bei österreichischen Meisterschaften erzielen und mich für internationale Meisterschaften qualifizieren.
Irgendwann wäre es auch toll an den Olympischen Spielen teilzunehmen.

Davids 5 Lauftipps
  1. Regelmäßig laufen
  2. Nicht übertreiben – das kann schnell zu Verletzungen führen
  3. Intervalltraining einbauen
  4. Berganläufe machen
  5. Vielleicht einen Longrun pro Woche von etwa 25% des wöchentlichen Umfangs (bei 80km Wochenumfang, dann z. B. einen 17-20km Longrun)

All das bringt Abwechslung ins Training und Verbesserungen sind schnell spürbar.

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